Wir brauchen ein für den Bürger bezahlbares und durchführbares System!

Ein Leserbrief von Jürgen Werner

Es ist aller Ehren wert, sich Gedanken um die Umwelt, hier speziell um

die Entsorgung des Mülls zu machen. Aber es sollte schon

vorher der Hebel beim Handel angesetzt werden. Die unnötigen

Umverpackungen der Produkte müssen verboten werden. Oder

mit welcher Begründung wird z.B. eine Zahnpastatube nochmals in einen

Karton gesteckt? Warum sind Salatgurken oder Bio-Obst und-Gemüse in Plastik verpackt?

Was ist daran noch Bio? Die Weichmacher, die dadurch in die Lebensmittel

gelangen sicherlich nicht. Auch die unzähligen Becher To-Go, die

täglich über die Theken gehen, müssen abgeschafft werden.

 

Zudem sollte man sich bei der Entsorgung des Mülls, hier handelt es sich

ja sogar um einen besonderen Müll, nämlich um wiederverwertbare

Rohstoffe, die wieder dem Kreislauf zugeführt werden, Gedanken machen. Da der Verbraucher bereits beim Einkauf für die Entsorgung gezahlt hat, muss darauf geachtet werden, dass die Gebühren nicht erhöht werden. Ist

trotz einer geplanten Einführung der gelben Tonne auch der Betrieb von Wertstoffhöfen

notwendig? Wenn ja, wie viele müssen dann im Landkreis betrieben werden?

 

Durch das Bürgerbegehren macht man sich nur um eine Sorte

der Abfälle Gedanken. Es sollte viel besser einmal das gesamte System

überprüft werden. Wie im Artikel geschrieben, mit einem externen, neutralen Gutachter. Dabei darf es dann auch keine Tabus geben. Das duale System Deutschland (DSD) ist durch die Industrie finanziert. DSD macht mit der Entsorgung der Wertstoffe satte

Gewinne. Denn hier herrscht quasi eine Monopolstellung. Diese wird durch

die gelbe Tonne noch unterstützt. Hier sollte man einmal über den

Tellerrand schauen und die Scheuklappen ablegen. Denn es gibt noch

andere Möglichkeiten. Der Abfallwissenschaftler Klaus Wiemer von der

Universität Kassel favorisiert das Projekt "Nasse versus trockene

Tonne".  Hier wird der trockene Müll sortiert und wiederverwertet und

der Nasse wird zur Energiegewinnung verwendet. So ist wie bisher auch

der Bürger gefordert seinen Müll in eine der beiden Tonnen zu geben.

Das Wertstoffhofsystem beweist schließlich, dass die Bevölkerung zur Mülltrennung in

der Lage ist. Außerdem muss zu den vorhandenen Tonnen nicht noch eine weitere hinzukommen.

 

Auch das Projekt "Gelb in Grau" ist eine interessante Alternative. Max Monzel,

Geschäftsführer des kommunalen Abfallentsorgers ART Trier, betreibt

hier seit April 2009 eine Versuchsanlage, die Wertstoffe aus dem

Hausmüll fischen kann - ohne dass die Bürger diesen vorher sortiert

haben. In einem Modellversuch wurden der Restmüll und der Inhalt

der gelben Säcke wieder vermischt, um den Müll durch eine

Versuchsanlage wieder trennen zu lassen. Begleitet wurde dieser Versuch

von Wissenschaftlern um Thomas Pretz von der Rheinisch-Westfälischen

Technischen Hochschule Aachen (RWTH).

Bereits 2004 konnte bei einem kleineren Versuch gezeigt werden, dass

die Müllsortierung technisch möglich ist. Hier konnte sogar eine

Reduzierung der Müllgebühren nachgewiesen werden.

 

Bei vielen Delegationen aus dem Ausland, stieß der Versuch auf reges Interesse. Es

scheint so, dass Entwicklungen aus Deutschland erst einen Erfolg

im eigenen Land haben, wenn sie sich im Ausland etabliert haben. Wir

sollten nicht Europameister in der Erzeugung von Plastikmüll sein, sondern viel mehr in der Vermeidung von Plastikmüll.

Und wenn das schon nicht möglich ist, dann sollte Deutschland auf jeden Fall in der

automatischen Sortierung und der Reduzierung der Anzahl der Mülltonnen eine Vorreiterrolle einnehmen.

Ich wünsche mir, dass sich bei der Müllentsorgung ein für den Bürger bezahlbares und durchführbares System durchsetzt, auch gegen die Interessen der Industrie bzw. des DSD.




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