ÖDP gegen Digitalisierung des Grundschulunterrichts

Zeil. Bei seinem letzten Treffen beschäftigte sich der Kreisverband der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) mit dem Einzug digitaler Medien in die Grundschulen des Landkreises.

Hintergrund ist die massive Förderung des Freistaats von IT-Ausstattung für Schulen, die auch MdL Steffen Vogel (CSU) Ende Juli beworben hat. Die Anwesenden waren sich dagegen einig, dass die Digitalisierung des Grundschulunterrichts zurückgenommen werden soll.

Der Zeiler Kreisrat und Erzieher Rainer Baumgärtner findet es „sehr bedenklich, dass die Kommunen durch Zuschüsse in die Smartphonisierung des Unterrichts gedrängt und kleine Kinder einer permanenten W-LAN-Strahlung ausgesetzt werden“.

„Bayern wäre nach meiner festen Überzeugung ganz vorne, wenn wir die Weichen für eine analoge Kindheit und Grundschule ohne Smartphone und Facebook stellen. Das alles schon im frühesten Schulalter führt in die falsche Richtung. Abgesehen davon kommt mir das wie ein Ablenkungsmanöver vor angesichts des desaströsen Lehrermangels“, so Baumgärtner.

Medienkompetenz und der sichere Umgang mit digitalen Systemen seien natürlich auch wichtige Bildungsinhalte. Aber in den unteren Schulklassen gehe es doch zunächst um das Erlernen unserer Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Die lerne man nicht am Tablet. Die Fixierung kleiner Kinder vor einem elektronischen Gerät könne allzu schnell zu einer suchtartigen ungesunden Entwicklung führen, befürchtet auch sein Kreisratskollege Klemens Albert, der auf lange Erfahrung als Sonderpädagoge und Schulleiter zurückgreifen kann.

„Wer als erwachsener Mensch in der digitalen Welt aktiv mitgestalten und sich behaupten will, muss in der Kindheit alle Möglichkeiten der Gehirnentwicklung erleben und ausleben können. Für eine umfassende Gehirnentwicklung sind nach Auffassung von Gehirnforschern die physische Bewegung im Raum notwendig, ebenso begeisternde Sinneswahrnehmungen, Handwerksarbeiten, eigene Ideen, Begegnungen mit anderen Menschen und deren Emotionen statt vernichtender Mobbingaktionen in der elektronischen Gruppe“, sind sich Baumgärtner und Albert sicher.

Stefan Zettelmeier befürchtet, dass eine zu frühe Fixierung von Kindern auf die digitale Welt eine weitere Form der Kinderarmut bewirkt: nämlich der Armut an Beziehungen und Bindungen zu Menschen und zur realen Welt. „Ich weiß, dass sich alle Landtagsparteien für eine Smartphonisierung des Schullebens aussprechen. Ich spreche mich dagegen für ein Recht auf analoge Bildung aus. Ärgerlich finde ich zudem, dass der Freistaat zeitgleich zu diesem kostspieligen Ausgabenvorhaben Geld spart, in dem er jungen Lehrern durch befristete Anstellung im August kein Gehalt zahlt“, kritisiert der ÖDP-Vorsitzende.


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