Verzicht auf die Freisetzung genveränderter Organismen im Landkreis Haßberge

Sehr geehrte Herren Giebfried und Eller!

Wie sie sicherlich wissen wird in den nächsten Monaten und Jahren der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft voraussichtlich stark zunehmen. Der Einsatz von Gentechnik ist in meinen Augen jedoch mit immensen Risiken verbunden: Auskreuzungen sind nicht nur nicht auszuschließen, sondern sicher zu erwarten. Dies lehren uns die Erfahrungen aus den USA und Kanada. Weiterhin führt der Einsatz von mit Terminatorgenen ausgestatteten Pflanzen, die nicht mehr nachgebaut werden können, zu einer dauerhaften Abhängigkeit der Bauern von den Konzernen, die diese Pflanzen patentiert haben. Jedes Jahr muss das Saatgut wieder neu gekauft werden. Risiken für die Gesundheit der Menschen sind wissenschaftlich nur ansatzweise untersucht und daher nicht seriös abschätzbar.

Leider hat die EU-Kommission die Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik im Detail nicht geregelt, gentechnikfreie Zonen lässt Brüssel jedoch offiziell nicht zu, da dies nach der Argumentation der Bürokraten in Brüssel dem Grundsatz der Koexistenz widersprechen würde.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, faktisch „gentechnikfreie Zonen“ zu schaffen. Als Beispiel ist eine Region in den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow zu nennen, wo am 01.12.2003 eine Vereinbarung in Kraft trat, die die rund 10.000 Hektar große Region zur gentechnikfreien Zone machte. 15 Landwirte, darunter 4 Biobauern, haben diese freiwillige Verpflichtung unterzeichnet, die vorerst für ein Jahr gilt. In Brandenburg wurde kurz darauf am 07. Januar 2004 eine 50.000 Hektar große Region im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zur bisher größten gentechnikfreien Region Deutschlands erklärt.

Durch die Schaffung von gentechnikfreien Zonen sind wirtschaftliche Chancen für die betroffenen Landwirte zu erwarten. So bekräftigt Dr. Guido Nischwitz vom unabhängigen Institut für ökologische Wirtschaftsförderung (IÖW), dass die Absatzchancen für garantiert gentechnikfreie Produkte als sehr gut prognostiziert werden.

Auch in Bayern entstehen nach Informationen des Bayerischen Bauernverbandes (Januar 2004) in gleich mehreren Regionen gentechnikfreie Zonen, z.B. im Freisinger Moos und in Unterpleichfeld in Unterfranken. Auch haben nach meinen Informationen die jeweiligen Kreistage der Landkreise Rottal/Inn und Miesbach vor einigen Wochen beschlossen alles zu unternehmen, um eine solche Zone einzurichten.

In meinen Augen wäre ein solcher Beschluss für die Zukunftsfähigkeit der bäuerlichen Landwirtschaft im Landkreis Haßberge ebenfalls sehr wichtig. Daher möchte ich den Bayerischen Bauernverband im Landkreis Haßberge darum bitten, über eine „gentechnikfreie Zone“ ernsthaft nachzudenken und eine dahingehende Initiative mit zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen

Klemens Albert
Kreisrat


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