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Energiewende von unten - ÖDP Haßberge zu Besuch bei Arno Karner

Wer von uns möchte sein Auto nicht gerne bequem zu Hause betanken? Am besten noch mit selbst erzeugtem Treibstoff? Und wer träumt nicht davon, seine laufenden Stromkosten zu minimieren und mit gutem ökologischem Gewissen sein Haus zu heizen? Für Familie Karner ist das alles nichts Ungewöhnliches. Die Vorstandschaft der ÖDP Haßberge war zu Besuch bei Überzeugungstätern.

 „Wir wollen Positivbeispiele der Energiewende zeigen“, sagt Stefan Zettelmeier, ÖDP-Kreisvorsitzender. „Zweifler und Schlechtreder gibt es schon genug. Dabei ist heute bereits so viel möglich!“ Im eher beschaulichen Dörfchen Wohnau sind er und seine Mitstreiter fündig geworden:

Von der Straße aus sieht man nicht, was sich hinter dem schmucken Einfamilienhaus verbirgt, vor dem sich die Ökodemokraten treffen. Erst von der Hofseite aus ist die große Photovoltaikanlage nicht mehr zu übersehen. Sowohl auf dem Wohnhaus als auch auf der Garage hat der Besitzer, Arno Karner, nach Südosten hin Module angebracht, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln. Knapp 16 Kilowatt (kW) Spitzenleistung bringt die Anlage bei gutem Wetter. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 15.000 Kilowattstunden (kWh). Das entspricht in etwa der Energie von 1.500 Litern Heizöl. Allerdings fallen Erzeugung und Bedarf zeitlich nicht immer zusammen, so dass auch manchmal Strom aus dem Netz bezogen werden muss, aber: „Mehr als drei Viertel unseres Strombedarfs decken wir mit unserem Sonnenstrom“, sagt Arno Karner. Er und seine Familie nutzen die Sonnenkraft jedoch nicht nur für den Haushalt, auch das Elektroauto der Karners wird damit befüllt. „An einem sonnigen Tag ist unser E-Mobil, ein Renault Zoe, in 4 Stunden komplett aufgeladen.“ Der getankte „Sprit“ reicht dann, je nach Jahreszeit, für 200 bis 320 Kilometer leise und ökologische Mobilität.

In seiner Garage zeigt der 50jährige den Besuchern ein dickes Kabel mit einem mobilen Ladegerät. Damit kann man die Stärke des Ladestroms einstellen, mit dem die Batterien des Fahrzeugs geladen werden sollen. Das wieder hängt davon ab, wie stark die Sonne gerade scheint und wieviel Strom bei den Karners noch im Keller ist. Im Keller? Ja – dort ist nämlich ein Stromspeicher installiert, ein flacher Kasten von etwa 80 mal 80 cm, der als Puffer dient, wenn gerade mehr Strom produziert als verbraucht wird und der dann, nach Bedarf, auch wieder angezapft werden kann, wenn keine Sonne scheint. Der Speicher fasst gut 9 kWh Strom.

„Im Sommer erhitze ich über einen Heizstab auch unser Brauchwasser mit Sonnenenergie, in den wärmsten drei Monaten reicht dafür allein die Photovoltaik aus“, erklärt Karner. Wird allerdings gerade kein Strom gebraucht und der Speicher ist voll, dann fließt die Energie - bei den Karners sind das immer noch etwa 9.500 kWh/Jahr - ins öffentliche Stromnetz und wird vergütet.

Und wie, wollten die Gäste wissen, wird das Brauch- aber auch das Heizwasser ansonsten warm? Auch hier setzen die Wohnauer auf umweltfreundliche Alternativen: Eine kombinierte Pellets- und Stückholzheizung sorgt dafür, dass der fünfköpfigen Familie auch im Winter ausreichend warm ist. Mit Holz als nachwachsendem Rohstoff und nahezu CO2-neutral.

Selbstverständlich ist für all das auch eine Menge Technik nötig: Solarmodule, Speicher und Wechselrichter, Steuerungs- und Messeinrichtungen sorgen für das nötige Zusammenspiel und eine möglichst optimale Ausbeute der eingesetzten Energien. Doch Karner, Ingenieur der Verfahrenstechnik, behält stets den Überblick. Dabei helfen ihm PC und Software: Auf dem Bildschirm seines Computers zeigt er den ÖDP-Aktiven anhand von Grafiken und Daten genau, wann er wieviel Strom erzeugt, verbraucht und eingespeist hat, wie voll der Speicher und wie hoch die Deckung seines Strombedarfs war.

Ärgerlich findet Karner, dass er, aufgrund der Größe seiner PV-Anlage, sogar auf selbst verbrauchten Strom eine Umlage bezahlen muss. Kreisrat Rainer Baumgärtner pflichtet ihm bei: „Dass man auf ökologisch erzeugten Strom auch noch die EEG-Umlage bezahlen muss, ist ein Konstruktionsfehler des Systems! So bremst man das Engagement der Bürger unnötig aus und bestraft sie noch, anstatt sie zu belohnen – das müsste umgehend geändert werden!“

Ohne Engagement und finanzielle Investitionsbereitschaft freilich hätten die Karners ihre „persönliche Energiewende“ nicht geschafft. Nach seiner Motivation gefragt antwortet Arno Karner: „Man braucht sicher ein Stück Idealismus. Aber man macht es ja nicht nur für sich, sondern vor allem auch für die Zukunft seiner Kinder.“

Die ÖDP-Delegation zeigte sich beeindruckt von so viel Einsatz und Umweltbewusstsein und vor allem von der vorbildlichen Kombination und Vernetzung von Strom, Heizen und Mobilität im privaten Umfeld der Wohnauer Familie und bedankte sich herzlich für den gewährten Einblick. „Das ist ein tolles, praktisches Beispiel, dass Energiewende funktioniert und jeder Einzelne wirksam sein kann. Ich würde mir viele Nachahmer wünschen!“, so der ÖDP-Vorsitzende Stefan Zettelmeier.

Die Vorstandschaft des ÖDP-Kreisverbands mit Arno Karner und seinen Kindern vor der Dach-Photovoltaikanlage.

Der Ingenieur der Verfahrenstechnik erklärt den Besuchern die Bau- und Funktionsweise der PV-Module.


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