ÖDP-Symposium "Wirtschaft ohne Wachstumszwang!" - Ein Bericht von Reinhard Hümmer

Der ÖDP-Bundesverband hatte am 24. und 25.01.2020 zu einem Symposium mit hochkarätiger Besetzung und dem Titel "Wirtschaft ohne Wachstumszwang!" nach Coburg eingeladen.

Die Spitzenkandidaten der ÖDP Haßberge zur Kreistagswahl 2020, Bettina Stroh (24.01.) und Reinhard Hümmer (24. und 25.01.2020) nahmen an dem Symposium teil.

Nachfolgend der Bericht von Reinhard Hümmer:


Mitwirkende an der
Podiumsdiskussion am Freitag, 24.01.2020


Prof. Dr. Mathias Binswanger, Wirtschaftswissenschaftler, Schweiz
Prof. Dr. Irmi Seidl, Wirtschaftswissenschaftlerin, Deutschland/Schweiz
Prof. Dr. Christian Kreiß, Volkswirtschaftsexperte, Deutschland
Oliver Richters, Wirtschaftswissenschaftler, Deutschland
Jörg Sommer, Autor, Vorsitzender der Deutsche Umweltstiftung, Deutschland
Isabella Hirsch, Landwirtin, Stellv. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) LV Bayern, Deutschland
Prof. Dr. Martin Quaas, Wirtschaftswissenschaftler, Deutschland

Moderation: Dr. Uwe Brückner, Politikjournalist

Hier die wesentlichen Standpunkte der Wissenschaftler und Fachleute:

Prof. Dr. Kreiß machte 2 Faktoren der Wachstumsgesellschaft aus: Die Werbung und die von der Industrie und Wirtschaft geplante möglichst kurze Lebenszeit der Produkte.

Prof. Dr. Binswanger sprach sogar von einer „psychologischen Schrottreife vieler Produkte, d. h. durch Werbung wird die Weckung des Bedürfnisses immer modernerer Geräte, wie z.B. Smartphones, ausgelöst. Dies führe zur Vernichtung unserer Umwelt.

Ehrenamt und Nachbarschaftshilfe sieht Prof. Dr. Irmi Seidl als Wiederentdeckung für eine andere Form  des „tätig seins“. Damit kann man die Abhängigkeit von Arbeit in der Postwachstumsgesellschaft durchbrechen. Arbeiten ohne Einkommen sollte ein Ziel sein.

Unser Ressourcenverbrauch stößt jetzt schon an unsere Grenzen. J. Sommer fordert hier ein Umdenken. Auch ist es paradox, Steuern auf Leistung, d. h. Lohnsteuer zu erheben. Märkte sollten gesteuert werden und die Verteilungsfrage von Vermögen muss angepackt werden.

Frau Hirsch (AbL) forderte eine Änderung des Verteilerschlüssels von Subventionen für die Landwirtschaft. Die Gelder müssen mehr für umwelt- und tiergerechte Produktionen zugeteilt werden. Bauernladen anstatt Supermarktregal war ihre Aufforderung an die Verbraucher.

Prof. Dr. Quaas konnte dem Thema „Wirtschaft ohne Wachstumszwang“ nicht zustimmen. Er sieht keine Probleme bei Neuprodukten, diese sollten aber schon nachhaltig hergestellt werden. Allerdings musste er auch beipflichten, dass die Grenzen beim Ressourcenverbrauch bereits erreicht sind und es zwangsläufig zu Schrumpfungsprozessen kommen wird.

 

Am Samstag, 25.01. standen insgesamt 8 Workshops zur Auswahl.                              

Auf 2 Workshops werde ich hier näher eingehen:

Warum wir so viel arbeiten müssen:

Prof. Dr. Kreiss referierte und diskutierte darüber.

Der geplante Verschleiß ist nichts anderes wie eine immerwährende Wachstumsmaschine. Wir kaufen für die Müllhalde. 90 % aller Produkte sind nicht nützlich. Er schlägt eine höhere Besteuerung der Werbung vor, damit diese eingeschränkt wird. Für Kinder unter 12 Jahren dürfe keine Werbung gemacht werden. Städte werbefrei machen – ein Ziel, dass sogar in manchen Teilen in den USA erreicht wurde, siehe Hawaii oder die Stadt Maine in Vermont.

Durch den Wegfall von der Produktion und dem Verbrauch unnützer Güter würde uns eine 20 Std. Woche reichen. Wir hätten so mehr Zeit für soziale Hilfe in der Gesellschaft. Das System Brot und Spiele könne so durchbrochen werden.

Wie wir uns vom Wachstumszwang befreien können – Workshop mit Prof. Dr. Reheis

Die erste Schlussfolgerung ist äußerst beschämend: Wir sind Versager in der Zusammenfassung unserer Menschheit. Unser Dasein wird in unserer „modernen“ Zeit vom Mantra des Fortschritts bestimmt: „Schneller, höher, weiter“. Daher muss der neue Ansatz heißen: Entschleunigung! 

Durch den uns eingetrichterten Wachstumszwang durch Politik und Kapital führt dieses Steigerungsprinzip zu Zerklüftungen zwischen jung und alt. Die Arbeitnehmer sind die Opfer dieses Systems.

Der Zwang aus Politik und Wirtschaft, dass alle Leistungen mit Geld zu bewerten sind, um daraus wiederum Gewinn und Steuern zu generieren, hat uns in die Irre geführt. Wir sollten uns anstatt alles finanziell zu bewerten, an die Zeit als das Maß unserer Dinge orientieren.

Die Zeit ist ein guter Ratgeber und ein angemessener Umgang damit würde uns sehr gut tun.

In unserem Körper arbeiten insgesamt 190 verschiedene Systeme. Eines davon ist das Atmen. Wir sollten diese System- und Eigenzeiten ernst nehmen:  So ist es richtig, seinen Körper folgenden Stundenplan angedeihen zu lassen: 20 min. sitzen, 20 min. stehen und 20 min. laufen.

Auf diese Aspekte müssen wir unbedingt achten, denn sie sorgen zugleich für Stabilität und Wandel. Wenn wir diese Aspekte nicht beachten, werden wir zwangsläufig früher oder später krank.

Das Nachhaltigkeitsprinzip kann nur funktionieren, wenn wir unser System auf 100 % regenerative Wirtschaftsweise umstellen. Die Sonne ist dabei unser wichtigster Helfer. Eine komplette Energieversorgung durch die Sonne wäre leicht zu schaffen. Es fehlt am politischen Willen.

Wie lassen sich diese Ziele in die Tat um setzen?  

Antworten:    Die Politik muss einen zeitbewußten Lebensstil schaffen.  

                       Die Wirtschaft soll nur den tatsächlichen Bedarf befriedigen.

                       Damit werde ich wieder mehr Herr meiner Zeit.

 

Die Politik hat die Aufgabe, dass kein Mensch unter die Armutsgrenze fällt. Denn jeder Mensch hat gleiche Rechte und auch nur eine Stimme. Und auch nur eine Natur. Eine Kontingentierung des Naturverbrauchs sollte als Solidarität zu unseren Mitmenschen daher eingeführt werden.

 

Diese Resonanzstrategie ersetzt die Herrschaft des Kapitals, um für einen neuen Zeitwohlstand zu führen, dadurch erhält die Menschheit einen erweiterten Freiheitsraum.

 

Sie ist eine zugleich konservative und revolutionäre Alternative zum ziel- und perspektivlosen „weiter so!“. Und danach sehnen sich die meisten Menschen.

 

Zusammenfassend  für diese beiden Tage will die ÖDP eine umfangreiche Beschreibung erarbeiten, wie ein neues Wirtschaftssystem ohne Wachstumszwang in Form einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft in Zukunft erfolgen kann.

 

„Fertig sind wir noch lange nicht, das ist uns bewusst!“, so unser Bundesschatzmeister Brendle-Behnisch. „Viele einzelne sinnvolle Lösungen warten darauf, nun in einem Gesamtkonzept zusammengefügt zu werden,“ so der Bundesvorsitzende Raabs.

 

Ein weiterer Kongress dieser Art war der Wunsch der Mehrheit der Teilnehmer.

 

Reinhard Hümmer


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