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In Achtsamkeit leben

Viel wurde schon geschrieben und geredet über dieses außergewöhnliche und nun zu Ende gehende (Corona-) Jahr.
Wie jede*r weiß, war es mit den eingeführten Abstandsregeln von heute auf morgen nicht mehr angebracht, sich bei der Begrüßung (oder auch beim Friedensgruß im Gottesdienst) die Hand zu reichen.
Stattdessen haben sich im Alltag vor allem drei „Begrüßungsformen“ heraus gebildet. Einmal sah ich Menschen, die sich mit der Faust berührten. Ein anderes Mal tangierte man sich mit dem Ellenbogen und manchmal sah ich sogar, wie Menschen mit den Füßen aneinander stießen.
Sicher waren all diese Formen gut gemeint und auch ich machte mit, wenn ich auf so eine Art und Weise „begrüßt“ wurde.
Wohl gefühlt habe ich mich damit aber nicht. Zu oft wurde ich dabei daran erinnert, wie es in dieser Welt aussieht:
Wenn Menschen mit geballten Fäusten aufeinander losgehen.
Wenn unsere „Ellenbogen-Gesellschaft“ sichtbar wird.
Wenn Menschen (-rechte) mit Füßen getreten werden.

Viel schöner finde ich eine Grußgeste, die vor allem in einigen asiatischen Ländern üblich ist. Sie ist kontaktlos, doch gleichzeitig finde ich sie sehr berührend. Bei dieser Geste faltet man üblicherweise die Handflächen vor der Brust in der Nähe seines Herzens und verbeugt sich leicht vor dem anderen. Der Gruß heißt „Namaste“ und bedeutet kurz zusammengefasst soviel wie: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir“.

An Weihnachten feiern wir doch auch genau das.
Gott kam in diese Welt, nicht als Machthaber, der sein Reich mit ausgestreckter Faust regiert, sondern der schutzlos als Kind geboren wurde und uns mit offenen Armen entgegenkommt.
Gott kam in diese Welt, nicht um Egoismus und „Ellenbogen-Denken“ zu verbreiten, sondern um der Gerechtigkeit willen.
Gott kam in diese Welt, nicht um uns Menschen zu knechten und unsere Würde mit Füßen zu treten, sondern um Frieden zu stiften, unseren Hunger zu stillen und uns in unserer Traurigkeit zu trösten.
Und ich glaube, dass Gott auch deshalb Mensch wurde,  um uns deutlich zu machen, dass in jedem Menschen das Göttliche wohnt, ja er selbst zu finden ist.
Wahrlich ein Grund, uns voller Respekt und Ehrerbietung voreinander zu verbeugen.

Wenn ich die letzten sechs Buchstaben von Weihnachten lese, dann ergibt es das Verb „achten“. Früher sagten wir zu einem Verb auch „Tun-Wort“. Achten ist also ein „Tun-Wort“. Die Botschaft von Weihnachten lautet für mich deshalb auch: achtsam sein.
Nicht nur an Weihnachten, nicht nur in Pandemie-Zeiten, sollen wir  aufeinander achten. Achten auf uns, achten auf unseren Nächsten, achten auf unsere Beziehung zu Gott, achten auf die Schöpfung, achten auf alles, was lebt ...

In diesem Sinne: Gesegnete Weihnachten und viel Achtsamkeit im Neuen Jahr!

Thomas Ort