Zur Hauptnavigation springenZum Hauptinhalt springen

ÖDP am jüdischen Friedhof

Kleinsteinach Jüdischen Lebenswegen in Kleinsteinach und dem jüdischen Bezirk Hassfurt spürte der Kreisverband der ÖDP nach, und mit ihm eine Vielzahl von an dem Thema interessierten Menschen. Auf dem Weg, den die verstorbenen Juden hin zur letzten Ruhestätte geleitet wurden, führte Katrin Lindner die Gruppe an den jüdischen Zentralfriedhof, den größten seiner Art im Landkreis Haßberge und den zweitgrößten in Unterfranken. Hier wurden aus den Kultusgemeinden des Umkreises die Menschen jüdischen Glaubens beerdigt.

Katrin Lindner, unterstützt von ihrem Ehemann Christoph, gab vor Ort interessante Einblicke in die Bestattungsrituale, wie etwa die Vorbereitung zum Begräbnis im Taharahaus am Eingang zum Friedhof. Die Toten wurden hier körperlich und spirituell gereinigt, mit dem Totenhemd bekleidet, in den Gebetsmantel eingehüllt und in einem einfachen Holzsarg ins Grab gelegt. An der Trauerzeremonie nahmen keine Christen teil, wie wohl sie aber für die Juden Fahrdienste, Steinmetzarbeiten und sonstige Dienste leisteten. Denn im Ort führten Christen und Juden über mehr als 5 Jahrhunderte ein sehr harmonisches Zusammenleben, bestanden doch zwischenzeitlich bis zu 38 % der Bevölkerung aus Juden.

Das älteste Grab auf dem Friedhof ist über 500 Jahre alt, erklärte Katrin Lindner, ein deutlicher Hinweis darauf, dass im jüdischen Glauben jeder sein eigenes Grab hat, ohne jegliche Zeitbegrenzung. Auf dem Grabstein sind Hinweise auf die Person des Verstorbenen und oft Zeichen, die auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten jüdischen Stamm hinweisen. 1107 solchen Grabstätten sind auf dem Friedhof noch erkennbar, das jüngste Grab ist von 1942. Für die Pflege fühlt sich, so Katrin Lindner, eine Kleinsteinacher Frau mit ihrer Familie verantwortlich, wobei peinlich darauf geachtet wird, dass an der Anlage nichts verändert wird. Die Gräber sind einzeln erfasst und dokumentiert, und so kann man immer wieder erkennen, dass Angehörige am Grab waren, wenn ein Stein dort abgelegt wurde.

Mit dem zeitgemäßen Medienmix im neu eingerichteten Museum konnten die Teilnehmer zum Abschluss einzelne Aspekte des ehemaligen jüdischen Lebens in Kleinsteinach weiter verinnerlichen. ÖDP-Kreisvorsitzender Stefan Zettelmeier zeigte sich wie alle Teilnehmer beeindruckt von der vorbildlichen Arbeit des Arbeitskreises „Landjudentum Kleinsteinach“, die sich im Museum und den zahlreichen Schildern im Ort niederschlug. Mit viel Einfühlungsvermögen werde hier verwirklicht, fast verloren Gegangenes vor dem Vergessen zu bewahren und Toleranz gegenüber anderen neu zu entdecken.

Das Museum befindet sich unmittelbar neben der Dorfkirche und ist regelmäßig am Sonntag von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (www.museum-kleinsteinach.de).



Zurück